Pfarrkirche St. Josef im Zentrum von Langenfeld, (Solinger Straße 19)

Beschreibung

Das Südportal (gegenüber dem Pfarrhaus) St. Josef ist wie folgt geöffnet:

Mo/Mi/Fr 9.00 bis 13.00 Uhr, Die u. Do. 9.00 bis 17.00 Uhr.

Hier ist auch der barrierefreie Zugang in die Kirche (Rampe).

 

Der erste Teil dieser Beschreibung ist von Pfarrer Josef Anthe (Weihnachten 1977) verfasst:

St. Josef, erbaut um die Jahrhundertwende im Stil einer romanischen Basilika, ist das sichtbare Zeichen einer lange um Selbstständigkeit ringenden Immigrather Kirchengemeinde.
Gegen den Widerstand der Mutterpfarre St. Martin, Richrath, erreichten endlich im Jahre 1886 die Immigrather Bürger die Genehmigung zum Bau einer Notkirche.

1896 wurde St. Josef zur Pfarre erhoben und schon vier Jahre später baute man die Kirche aus.

Am 24. April 1901 wurde sie durch Weihbischof Fischer konsekriert. Abgesehen vom Turm, der nur bis zur Kirchendachhöhe errichtet wurde, war damals die heutige Kirche im Großen und Ganzen fertig: ein gediegenes, in seinen Maßverhältnissen ausgewogenes Gotteshaus, das besonders in seinem Innern als sakraler Raum mit Atmosphäre anspricht.

1924 wurde der Turm vollendet, und bereits 1925 wurden in ihm vier Glocken aus Gussstahl aufgehängt, die nach den Heiligen Josef, Maria, Antonius und Sebastianus benannt wurden.

Glockengewicht und Ton:
2.756 kg - cis
1.630 kg - dis
1.108 kg - f
763 kg - gis
Unmittelbar nach der Währungsreform 1948 wurde eine umfassende Renovierung durchgeführt,
eine weitere erfolgte nach der Beendigung des 2. Vatikanischen Konzils 1971.

Die Renovierung von 1971 (Architekt Theo Schelten) und die Altarraumgestaltung in den kommenden Jahren bis 1976 verfolgte mehrere Ziele: zunächst den unansehnlich gewordenen Anstrich zu erneuern, die baulichen Voraussetzungen für die vom Konzil geforderte Liturgiereform zu schaffen und die gute romanische Architektur der Kirche deutlich herauszustellen.

Altar, Sakramentshaus, Kreuz, Ambo (von links nach rechts)
Leuchter, Ewiglicht und Gabentisch ‑ aus Mainsandstein gehauen und in Bronze gegossen ‑
all das ist das Werk eines einzigen Künstlers, Josef Baron aus Unna.
Eine Chor‑ und Hauptorgel mit 27 Registern (auf 36 ausbaufähig) wurde von der Firma Weyland, Opladen, aus einigen Teilen der früheren Orgel von 1927, im Wesentlichen aber aus neuen Elementen erbaut und in der Nähe des Altars aufgestellt.
Die alte Orgelempore, die 1927 nachträglich eingezogen war, war schon vorher abgetragen, sodass der ganze Raum wieder offener ist und auch die schöne Rosette des Turmes zum Vorschein kommt. Wenn ein Chor jetzt seinen liturgischen Dienst verrichtet, steht er hinter dem Altar in der Apsis; dann sind wirklich die Gläubigen allseitig um den Altar versammelt.
Bei dieser Renovierung wurden auch die Türen und Windfänge ersetzt, eine Boden‑Warmluftheizung eingebaut und der Boden mit Basaltlava belegt.
Die Kreuzwegbilder, wie die Mosaiken der Apsis 1951 von Josef von Heekern, Issen‑Verden, geschaffen, wurden in die Wand der früheren Taufkapelle im Turm eingelassen.

Beherrschend im Innenraum ist der Altar und das darüber hängende Kreuz. Der dort abgebildete Christus zeigt die unerbittliche Not menschlichen Sterbens; der um das Kreuz gelegte Strahlenkranz ist Symbol der Osterherrlichkeit.
Die Buntfenster in der Apsis (1901) und die 1956 von Willy de Graaf, Essen-Werden, in kräftigen Farben entworfenen Fenster der Seitenschiffe fügen sich sehr harmonisch in die neue Gesamtgestaltung ein.

Der Taufstein, der uns schon 1893 als Geschenk vom Münster zu Kaiserswerth überlassen war, steht bis zu einer besseren Platzierung in der rechten Seitennische.
Auch der Grundriss des Gotteshauses, ein Kreuz, entspricht dem, wozu Menschen sich hier versammeln: Sie wollen ihr eigenes, oft kreuzbeladenes Leben nach dem Kreuz Christi ausrichten. Was aber die Gläubigen drinnen erfahren, sollen sie draußen bezeugen. Das Kreuz und der große Hahn (1956 aufgesetzt) sollen stets daran erinnern.
G001
Einige Maße:
Das gesamte Mittelschiff mit Turm und Chorraum misst 47 Meter, das Querschiff 24 Meter.
Der Schlussstein in der Vierung ist 12 Meter hoch, der Turm mit Kreuz und Hahn 42 Meter.

Renovierung der Pfarrkirche von Juni 1995 bis April 1996

Im Jahr 1992 erschütterte ein Erdbeben ganz Langenfeld und hinterließ auch in unserer Pfarrkirche St. Josef beängstigende Spuren: Bisher bestand ein Gleichgewicht im System. Die oberhalb der Stützen entstehenden Schubkräfte aus den gemauerten Deckengewölben konnten aufgenommen werden. Durch die Erschütterung des Erdbebens wurde dieses Gleichgewicht erheblich gestört: die Stützen stellten sich unregelmäßig schief und dadurch entstanden Risse in den Gewölben.

Diese Schäden zwangen zum raschen Handeln.
Umfangreiche Renovierungs- und Verschönerungsmaßnahmen wurden vorgenommen.

Im Einzelnen:
Die Risse in den Gurtbögen wurden geschlossen; die Rundstützen erhielten an ihren Köpfen Zuganker aus nicht rostendem Stahl.
Dadurch konnten die Stützen wieder in die Senkrechten gebracht werden.Die Heizung wurde von Öl auf Gas umgestellt. Die Elektrik wurde komplett erneuert. Eine neue Beleuchtung wurde installiert. Die Chor- und die Hauptorgel wurden gereinigt und überholt.
Künstlerische Arbeiten:
Die künstlerische Beratung und die Ausmalung der Kirche selbst wurde von Dieter Hartmann, Köln, durchgeführt.
Die tragenden Säulen sind im unteren Bereich durch eine kräftige Farbe vom Gewölbe abgesetzt; diese Farbe wird nach oben in den halbrunden Rippen der oberen Stützen und Gurtbögen weiter geführt. Die übrige Ausmalung der Säulen oberhalb de Kapitelle und der Gurtbögen erwirken durch Farbe und Struktur den Eindruck eines Sandsteines. Die Grate der Gewölbe sind durch die Ornamente leicht betont, die Schlusssteine sind farblich und auch in den Ornamenten davon abgesetzt.
Die Rückwände der seitlichen Altarnischen sind als Kapelle ausgemalt. Die Bemalung der Rückwand des Chores verbindet die farblichen Fenster mit den unteren Glas-Mosaiken.

Die thronende Madonna

Die thronende Madonna, seit Anfang 1995 an der rechten Vierungssäule angebracht, ist eine erweiterte Kopie der romanischen "Hovener Madonna" von 1170, die in Fachkreisen als eine de schönsten rheinischen Madonnen gilt.
Die romanischen Marienskulpturen sind entsprechend ihrer kultischen Aufgabe eng mit dem Bauwerk verbunden. Dabei sieht die Romanik in Maria nicht so sehr die Mutter Christi, sondern mehr die im Himmel wohnende Majestät, die "Thronende Madonna", die den königlichen Christus auf ihren Schoß thronen lässt.
Jede Form de Abbildlichkeit liegt der romanischen Plastik fern.
Deshalb diese überschlanken steifen Körperformen, der etwas merkwürdige, strenge Gesichtsausdruck beider Figuren, die weit geöffneten Augen, das überaus groß gestaltete Kind.
Auch die romanischen Farben haben einen tiefen Symbolcharakter: Weiß ist die Farbe der großen Lichtgottheiten. Blau ist die Farbe des Himmelsgewölbes. Der gekrönte Christus trägt einen purpurnen Königsmantel: im Rot des Feuers wird der Prophet Elia auf seinen Wagen entrückt; purpurrot ist das Innere des Zeltes Davids für die Bundeslade; von der gleichen Feuerfarbe sind die Zungen, die sich an Pfingsten auf die Jünger niederlassen. Das Untergewand des segnenden Christus ist grün: das Grün ist das Anfängliche, Keimhafte.

Über der ganzen Marienskulptur aber sind Goldspuren verteilt: Gold ist die Farbe des ungetrübten Lichtes, die Farbe der göttlichen Herrlichkeit und Offenbarung.

Der Neue Josef

‑ eine Darstellung, wie ich sie verstehe (Pfarrer Dr. Jürgen Rentrop)
Wiederholt werde ich bei Begegnungen auf der Straße oder bei Hausbesuchen auf unsere neue Joseffigur angesprochen. Es sind auch kritische Stimmen darunter: „Das ist ja gar kein richtiger Josef!“ „Wo hat er das Schlappohr her?“ „Der ist aber gar nicht schön!“
Künstler zu allen Zeiten haben sich selten daran gehalten, was „richtig“ ist. In ihren Darstellungen geht stets etwas von dem mit ein, was dem Künstler selbst wichtig erscheint. Und wenn man dann Jesus nicht „richtig“ als das Kind armer und einfacher Leute darstellt, sondern als kleinen Kaiser und seine Mutter nicht als Frau aus einfachen Verhältnissen darstellt, sondern als königliche Ordensfrau, dann steckt in solch einer Darstellung eben viel mehr „Wahres“, als wenn man sich um ein rein fotografisches Abbild bemühte.
Vielleicht haben wir nun eine Möglichkeit gefunden, die Art und Weise in der Darstellung des Hl. Josef nachzuvollziehen? Er ist nicht gekleidet wie ein galiläischer Zimmermann, sondern in kostbarem Tuch wie ein ägyptischer Gelehrter. Er sitzt auf einer Kiste, bunt bemalt mit Anspielungen aus dem Leben des Menschensohnes; eine Kiste vielleicht vollgestopft mit der Tradition seines Hauses und seines Urahnen, des ägyptischen Josef. Er hat übergroße Augen und blickt gleichsam durch den Betrachter hindurch auf etwas, das man wahrscheinlich mit bloßen Augen nicht einfach sehen kann.
Er hat übergroße Ohren und horcht auf etwas, das wohl mit unserem akus­tischen Organ nor­maler­weise nicht zu fassen ist ‑ unterstützt von der Haltung einer riesigen Hand, nämlich im Versuch noch mehr wahrzunehmen.
Die Spirale inmitten seines Körpers weist ihn als „Bauchmenschen“ aus, der das, was an seiner Verlobten geschehen ist, mit dem Ver­stand nicht fassen kann..., der das Geheimnis der Menschwerdung „von seinem Bauch“ her annimmt; der nicht verzweifelt, sondern zu seiner Verlobten steht, voll Vertrauen auf ihr Wort und auf das, was er im Traum vernimmt.
Nehmen Sie sich doch einmal‑ auf einem Spaziergang oder während des Einkaufs ‑ ein wenig Zeit, betreten Sie unser Gotteshaus St. Josef und schenken den beiden Heiligen ein wenig Zeit. Vielleicht erfahren Sie dann, was an beiden Darstellungen „richtig“ ist, was wichtig und wegweisend für unser Leben sein kann.

Die Weyland-Orgel in St. Josef

ie Weyland-Orgel verfügt in der Hauptorgel über drei Werke: Hauptwerk, Schwellwerk und Pedalwerk (=Fußwerk). Jedem Werk ist eine Windlade zugewiesen. Das Register "Kontrabass" steht auf einer einzelnen Windlade hinter der Orgel.
Das Hauptwerk bildet das Klangrückgrat der Orgel. Im Hauptwerk stehen die Prinzipalregister 8´, 4´, 2´, 22/3´, sowie die Mixtur als Klangkrone, außerdem die Trompete 8´. In der Tiefe wird das Werk durch den Pommer 16´gestützt.
Die Namen der Register werden z.T. von ihrer Bauform, z.T. von ihrer Klangfarbe hergeleitet.
Hinter jedem Registernamen befindet sich eine Zahl, z.B. 8´(lies: "acht Fuß"). Der Registername sagt, wie es klingt.

Die Bezeichnungen 16´, 8´oder 4´ usw. geben die Höhenlage eines Registers an. 8´ ist die "Normallage"; man nennt sie so, weil die längste Labialpfeife beim tiefsten Ton der Skala 8 Fuß (= ca. 2,5 m bei Taste C) lang ist. Ist sie nur 4´ lang, klingt sie eine, bei 2´ zwei Oktaven höher als normal; der 16´ liegt eine Oktave tiefer.

Disposition der Weyland-Orgel
Hauptorgel
Hauptwerk: 1. Manual
Gedacktpommer 16´, Prinzipal 8´, Holzflöte 8´, Weidenpfeife 8´
Rohrflöte 8´, Oktave 4´
Kleingedackt 4´, Quinte 2 2/3´
Superoktave 2´, Mixtur vierfach 1 1/3´
Trompete 8´
Schwellwerk: 2. Manual
Gedeckt 8´, Gambe 8´
Voix celeste 8´, Querflöte 4´
Schwegel 2´, Sesquialter Scharf 4-fach 1´
Fagott 16´, Trompete harmonique 8´
Oboe 8´, Clairon 4´P
Pedal:
Kontrabass 16´, Subbass 16´
Oktavbass 8´, Bassbommer 8´
Choralbass 4´, Trompete 8´
Posaune 16´

Die Chororgel (der Name kommt daher, weil sie im Chorraum der Kirche steht) ist auf zwei Manualen spielbar. Dadurch hat der Organist bzw. die Organistin vier Manuale zur Verfügung und viele Möglichkeiten, die Register erklingen zu lassen.
Disposition der Chororgel:
3. Manual:
Spitzflöte 8´, Prinzipal 4´
Cornett dreifach 2 2/3´, Krummhorn 8´
4. Manual:
Holzgedeckt 8´, Waldflöte 4´
Schweizerpfeife 2´, Quinte 1 1/3´
Pedal:
Basspommer 16´

Spiel- und Registertraktur elektrisch; Schleifladen, drei Kombinationen, eine Pedalkombination, Pleno Hauptorgel, Pleno Chororgel.

Im November 2013 wurde der Spieltisch verbessert: die seitliche Setzeranlage wurde durch eine integrierte - beidseitige - Setzeranlage ersetzt. Die Registrierung erfolgt elektronisch mit vielen Speicherplätzen.