Lied des Monats Februar 2014

Behutsam leise nimmst du fort (GL 82)

 

Der Textautor Raymund Weber hat für uns diese Besprechung geschrieben.

Hören können SIe das Lied hier.


Besprechung (Interpretation) von „Behutsam leise nimmst du fort“

 

Das Lied ist ein gesungenes Morgengebet, in dem wir Gott für den neuen Lebenstag danken und um seinen Segen für diesen Tag bitten.

 

Es beginnt mit leisen Tönen, wie die Dämmerung unmerklich, aber stetig mehr aus der Dunkelheit der Nacht das Licht des neuen Tages aufscheinen lässt. Und das wird nicht als ein bloßes Naturereignis beschrieben, sondern als schaffendes Wirken Gottes. Jeder Morgen ist, von gläubigen Menschen gedeutet, ein neuer Schöpfungsmorgen. Wie Gott am Anfang aus dem Nichts durch sein wirkmächtiges Wort „Es werde“ die Welt erschuf, so schafft er jeden Morgen neu aus der Stille und dem Stillstand der Nacht das bunte pulsierende Leben des neuen Tages.

 

Die Gebetshaltung ist zunächst das Danken. Ich verdanke meine Leben nicht mir selbst. Ich kann keinen einzigen Tag meines Lebens selber machen. Jeder neue Tag ist ein Geschenk Gottes. Und dann wird in den Strophen durchgespielt, was Gott uns alles Gutes schenken will, was nach seinem Willen werden soll: Licht und Glück, Kraft und Trost in vielen Facetten und für viele Menschen.


In dem „Es werde“ schwingt aber auch schon die Bitte mit, die am Schluss jeder Strophe ausdrücklich wird: Es möge an diesem Tag werden, entstehen, da sein, sich entfalten, was er uns zugedacht hat. Es ist wie eine inständige Bitte, Gott möge das einhalten, was er versprochen hat. Dass Licht wird, auch wenn wir es manchmal verdunkeln, dass Glück und Trost wird, auch wenn wir seine Pläne manchmal durchkreuzen. Darum steht am Ende jeder Strophe die Bitte, Gott möge seinen Segen dazu geben, dass nicht unser, sondern sein Wille geschieht und das Leben für Menschen in allen Ländern der Erde lebenswert ist.

 

Musikalisch wird diese Bitte unterstützt durch die Triole auf „Menschen in“ (jedem Land) und die Synkopen auf „segnende“ (Hand). Damit gibt es am Schluss des Liedes wie eine Klammer eine musikalisch-rhythmische Entsprechung zu den entscheidenden Worten des Anfangs: (Es) „werde, es“ (werde). Zu Beginn der Strophen wird dann das Aufsteigen des Lichtes, das Werden und Entstehen von Kraft, Glück, Trost in drei aufsteigenden Linien der Melodie verdeutlicht.