Lied des Monats April 2014

Fürwahr, er trug unsre Krankheit (GL 292)

Lied des Monats April zur Passionszeit

 

Text: Eugen Eckert

Musik: aus Chile


Aus dem Liedportrait von Mein­rad Walter:



Im dreis­tro­phi­gen Lied „Für­wahr, er trug unsre Krank­heit“ greift der evangelische Theologe und Frankfurter Pfarrer Eugen Eckert Motive des vierten Got­tes­knechts­lie­des auf und ent­fal­tet eine poetisch-musikalische Skizze der Pas­sion aus alt- und neu­tes­ta­ment­li­chen Stri­chen. Stro­phe 1 führt bis zur Dor­nen­krö­nung, die zweite dann bis zum Lan­zen­stich in die Seite des Gekreu­zig­ten. Beide Stro­phen mün­den in das Pas­si­ons­bild vom unschul­di­gen Lamm (Jesaja 53,7 und Johan­nes 1,29) als Sinn­bild nicht nur für den lie­ben­den Men­schen, son­dern für den „lie­ben­den Gott“ (Stro­phe 1 und 3).


Am Ende der mitt­le­ren Stro­phe nennt das Lied ihn den „gekreu­zig­ten Gott“. Im Hin­ter­grund steht hier ein bei dem jüdi­schen Schrift­stel­ler und KZ-Überlebenden Elie Wie­sel über­lie­fer­tes Zeug­nis. Der Frie­dens­no­bel­preis­trä­ger berich­tet von der qual­vol­len Hin­rich­tung eines Kin­des im KZ Buna und von der bedrän­gen­den Frage „Wo ist Gott?“ Wie­sels Ant­wort, die er als innere Stimme gehört hat, heißt: „Dort, dort hängt er, am Galgen …“ – der gekreu­zigte Gott.


Die dritte Stro­phe ergänzt die vori­gen um den Aspekt der per­sön­li­chen Aneig­nung. Die unge­wohnte For­mu­lie­rung „er steht auf zur Seite der Armen, der Klei­nen“ ist eine theo-poetische Mix­tur aus „er steht auf, da Gott ihn auf­er­weckt hat“ und „er steht fest an der Seite der Bedräng­ten“. Auf­er­ste­hung und Soli­da­ri­tät gehö­ren zusam­men! Eugen Eckert bezieht sich mit dem Wort „er steht auf“ auch auf latein­ame­ri­ka­ni­sche Beer­di­gungs­ri­tuale, auf die ihn die Theo­lo­gin Doro­thee Sölle hin­ge­wie­sen hat.

 

Quelle:

http://gotteslob.eu.dedi266.your-server.de/wp/fuerwahr-er-trug-unsre-krankheit-gl-292/